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Weingut Ottes, Lorch | heute: Weingut Wurm

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Im Mai 2012 hat Erhard Georg Heitlinger – Wein & Rat, das Weingut Ottes in Lorch in sein Angebot aufgenommen und ein Jahr später in die von ihm ins Leben gerufene Arbeitsgemeinschaft Wine-Land eingebracht. Danach wurden mit Unterstützung der ARGE einige Interessenten gefunden und das Weingut an den jetzigen Eigentümer Robert Wurm verkauft.

Beitrag bei SWR1 über die Arbeit von Erhard Georg Heitlinger und die Betriebsübergabe an Robert Wurm:

 

„In Lorch entstehen Rieslinge von Weltruf. Ich bin diesem Ruf gefolgt. Im Jahr 2014 habe ich das 1841 gegründete Lorcher Weingut Ottes übernommen und mir damit einen Traum erfüllt. Raus dem Konzern-Chefsessel, rein in die Arbeitskleidung. Ein überragendes Gefühl!“
Robert Wurm

In seinem eigenen Weingut verbindet Robert Wurm nun sein Faible für Korea und den Kendosport mit seiner Leidenschaft für Rheingau Rieslinge und Spätburgunder. Seine Trauben reifen in den Steillagen des Welterbes Mittelrheintal. Eine der faszinierendsten Kulturlandschaften der Erde. Das Ergebnis: Klare, präzise und elegante Weine. Lang, aber niemals breit.

 

Pressestimmen

Handelsblatt vom 20.01.2019:

Das eigene Weingut – eine herausfordernde Investition

Unternehmen und Manager erfüllen sich mit dem Kauf von Weingütern einen Traum. Als Hobbywinzer Geld zu verdienen, ist allerdings nicht leicht.

Eine Wohnung in London, Paris oder Berlin, ein Chalet in der Schweiz, die Finca auf Mallorca oder das Rustico in der Toskana – alles kalter Kaffee. Der wahre Genussmensch kauft sich ein eigenes Weingut und keltert selbst.

Eine Reihe von Prominenten hat sich bereits eingekauft in die Welt des Weins: Sting, Cliff Richard und Carlos Santana, die Hollywoodstars Brad Pitt und Angelina Jolie, Johnny Depp oder der US-Regisseur Francis Ford Coppola besitzen ein Weingut. Aber auch Wirtschaftsgrößen wie der Medienunternehmer Rupert Murdoch, Alibaba-Chef Jack Ma oder Wolfgang Reitzle, Ex-Vorstandschef des Dax-Konzerns Linde, sind Teilzeitwinzer …

… Die wenigsten dieser Investoren ackern allerdings selbst im Weinberg. Ganz anders Robert Wurm: Der ehemalige Manager bei Contitech, der Technologietochter des Dax-Konzerns Continental, sitzt auch selbst auf dem Traktor und liest seinen eigenen Wein. 2014 stieg der Ingenieur aus dem beruflichen Hamsterrad aus und erfüllte sich seinen Traum. Gemeinsam mit seiner spanischen Ehefrau erwarb er das Weingut Ottes im Rheingau mit sechs Hektar Anbaufläche.

Inzwischen hat er es auf acht Hektar vergrößert und baut dort überwiegend Riesling an. Er übernahm das Personal, stellte aber einen neuen Kellermeister ein und investierte viel in den Markenauftritt unter dem neuen Namen Weingut Wurm. Bereits 2015 konnte er seinen ersten kompletten Jahrgang vorstellen.

Etwas anderes, als ein Weingut im Rheingau zu kaufen, sei für ihn undenkbar gewesen, sagt Robert Wurm. Und das nicht nur, weil es am Rhein das einzige Anbaugebiet mit Süd-Nord-Ausrichtung ist. „Meine Frau und ich haben schließlich 2006 auch dort geheiratet“, begründet er seine Liebe für die Region.

Käufer müssen flexibel sein

Dass Wunsch und Wirklichkeit wie in Wurms Fall zur Deckung zu bringen sind, ist allerdings die Ausnahme, weiß Natascha Popp, geschäftsführende Gesellschafterin der Geisenheimer Unternehmensberatung Die Weinräte.

Popp bringt Quereinsteiger wie Robert Wurm, aber auch Investoren mit verkaufswilligen Winzern zusammen, begleitet die Kaufverhandlungen und übernimmt danach die betriebswirtschaftliche Beratung der Newcomer im Weinbusiness. „Unsere Kunden haben meist sehr klare Vorstellungen, was und wo sie kaufen wollen – die Realität sieht dann allerdings meist anders aus“, sagt die Expertin.

Das hat vor allem mit dem Angebot zu tun. Zwar ist die Zahl der Winzerbetriebe in Deutschland mit gut 43.000 sehr hoch. Die weit überwiegende Mehrheit von ihnen kommt allerdings vor allem wegen ihrer zu geringen Größe als Investment nicht infrage.

Von den etwa 16. 000 Haupterwerbsbetrieben sei vielleicht die Hälfte attraktiv für ihre Käuferklientel, schätzt Popp. Verkauft würden davon jedes Jahr aber nur etwa vier. „Und im Rheingau wechselt gerade mal alle sieben bis acht Jahre ein Weingut den Besitzer“, sagt sie. Im Verkaufsportfolio der Weinräte warten zurzeit etwa 15 bis 20 Betriebe mit den dazugehörigen Immobilien und Anbauflächen auf Käufer.

Bei der Beratung ihrer Kunden komme es daher darauf an, realistische und individuell angepasste Alternativen aufzuzeigen: „Statt für Riesling im Rheingau entscheidet man sich dann vielleicht für den Burgunder in Rheinhessen.“

Die typischen Investitionssummen für Weingüter liegen hierzulande zwischen ein und drei Millionen Euro, nicht viel verglichen mit dem, was in den klassischen Anbauregionen Italiens oder Frankreichs gezahlt wird. In die Wertermittlung lässt Betriebswirtin Natascha Popp die Summe sowohl der Sachwerte – Immobilien, Weinberge und Maschinen – als auch der Erträge aus den vergangenen Jahren und das künftige Gewinnpotenzial einfließen…

… Ob sich ihr Investment und das der vielen anderen Neu-Weingutbesitzer auszahlt, hängt dabei – neben der Qualität von Weinberg und Keller – vor allem von einem stimmigen Vermarktungskonzept ab. „Der Weinmarkt hat sich in den vergangenen Jahren sehr verändert“, berichtet Popp. Kunden blieben „ihrem“ Winzer nicht mehr auf Jahre treu, der Wettbewerb habe sich deutlich verschärft …

… Quereinsteiger und Ex-Manager Robert Wurm kennt die Herausforderungen und weiß: Die Vorstellung vom Ausstieg aus dem stressgeplagten Manager- hinaus ins ruhige Winzerleben ist ein Mythos. „Ich kann mich nicht zurücklehnen, ich muss ständig am Ball bleiben“, sagt der 48-Jährige nach vier Jahren Arbeit als Weingutsbesitzer.

Als Manager bereiste er die Welt mit Schwerpunkt Korea – doch anstatt wie damals neue Budgets zu planen, heißt es nun: Kisten nach einer Bestellung packen, Weinproben mit potenziellen Kunden veranstalten, im Weinberg den Zustand der Reben begutachten. Vor allem aber habe er Demut und viel Respekt vor seinem Job – schon deshalb, weil die Weinherstellung lehre, dass der Mensch nur einen begrenzten Einfluss auf den eigenen Erfolg habe.

Ein erheblicher Teil hängt von Böden, Reben, Wetter, kurz: der Natur ab. „Jedes Jahr ist anders“, hat der Ingenieur gelernt. Was ihm aber vor allem gefalle, sei die „riesengroße Bandbreite meines neuen Jobs“, sagt Wurm, der seinen Umstieg aus der Industrie in die Weinwirtschaft nicht bereut: „Das macht mir noch immer Riesenspaß.“

Hier der Link zum ganzen Artikel im Handelsblatt: www.handelsblatt.com